Bericht 12. Delegiertenversammlung
Änderungen in der Berufsordnung beschlossen
Am 17. und 18. April fand die 12. Delegiertenversammlung (DV) und damit letzte der 5. Wahlperiode statt. Der große Erfolg der Sitzung war die Verabschiedung der überarbeiteten Berufsordnung. Weitere Punkte auf der Tagesordnung waren insbesondere die anstehende Kammerwahl und darüber hinaus der Finanzbericht, die Änderung der Hauptsatzung und der Wahlordnung der DPT-Delegierten. Außerdem ein Update zur Qualitätssicherung sowie Nachwahlen in Ausschüssen. Die Sitzungsleitung wurde durch Else Döring, Vizepräsidentin und Vorstandsmitglied Prof. Dr. Rudolf Stark übernommen. In ihrer Resolution positionierte sich die DV deutlich gegen die Honorarkürzungen durch den Beschluss des erweiterten Bewertungsausschuss, eine 2. Resolution stellt Forderungen zur Einschränkung der Nutzung digitaler Medien bei Kindern und Jugendlich.
Wir müssen zusammenstehen, um die Herausforderungen zu bewältigen
In ihrer Eröffnungsrede fand Kammerpräsidentin Dr. Heike Winter deutliche Worte zu den Einsparungen in der Psychotherapie: „Wir erleben gerade einen Angriff auf unseren Berufsstand. Die Honorarkürzung war nur die erste drastische Maßnahme – weitere Einschränkungen sind geplant. In diesen schwierigen Zeiten müssen wir unbedingt zusammenhalten, um diese Herausforderungen zu bewältigen! Für uns und vor allem auch für unseren Nachwuchs.“ Im Rahmen des Vorstandsberichts erinnerte Sie begleitet von eindrucksvollen Fotos an die Kundgebung in Frankfurt:
Ich bin noch immer ergriffen – der gesamte Opernplatz war gefüllt, 3.000 Menschen. Unabhängig von Verbandszugehörigkeit oder Verfahren waren wir alle mit einer gemeinsamen Stimme laut. Ein tolles Gefühl!
Sie nutzte die Gelegenheit außerdem, um sich zu bedanken: Die 12. DV war auch die letzte für Dr. Winter als Kammerpräsidentin. Sie wird bei der kommenden Wahl nicht mehr antreten. „Danke für 15 Jahre großartige Zusammenarbeit. Ein Vorstand ist nur so gut wie die DV hinter ihm. Gemeinsam haben wir wichtige Meilensteine für unseren Beruf erreicht.“ Damit sprach sie insbesondere die Ausbildungsreform, Weiterbildungsordnung, Umsetzung der neuen Weiterbildung, Berufsordnungsänderung an, Änderung des Heilberufsgesetzes und des Kammernamens.
Änderung der Berufsordnung beschlossen
Nachdem die Änderungen der Berufsordnung (BO) durch die entsprechenden Ausschüsse erarbeitet und vorgestellt und im Rahmen der vergangenen beiden Versammlungen ausführlich diskutiert wurden, haben die Delegierten nun wie geplant abgestimmt. Alle Anträge zur Änderung der BO wurden angenommen. Folgende Änderungen wurden vorgenommen:
1.) Änderung/Ergänzung der Präambel
2.) Definition des Begriffs „Psychotherapie“ (§3)
3.) Rahmenbedingungen zur Videotherapie (§6 neu)
4.) Kostenlose erste Kopie der Patientenakte (§9)
5.) Zustimmung zur Psychotherapie durch sorgeberechtigte Eltern bei Minderjährigen (§14)
6.) Berufsausübungsgemeinschaft mit anderen Heilberufen (§23)
7.) Definition „schuldhafte Verstöße“ (§33)
Wir freuen uns, dass nach zwei Jahren intensiver Arbeit, in den Ausschüssen und auch in der Delegiertenversammlung, die Änderungen beschlossen wurden. Wir bedanken uns bei allen Beteiligten für die Zusammenarbeit.
Update zur Kammerwahl
Nur noch wenige Wochen bis zur Wahl der 6. Delegiertenversammlung der PTK Hessen. Seit der 11. DV im November sind die Vorbereitungen zur Kammerwahl deutlich vorangeschritten. Die Infoseite auf der Homepage der Kammer wurde veröffentlicht, die offizielle Bekanntmachung wurde versandt, das Wählerverzeichnis wurde ausgelegt, eine Beanstandung gab es nicht. Bis zum Zeitpunkt der DV waren bereits 4 Wahlvorschläge eingegangen. Olaf Diederichs, Geschäftsführer PTK Hessen und Laura Speinger, Leitung Kommunikation und Veranstaltungen, präsentierten ein Update zur Organisation der Kammerwahl sowie die Möglichkeiten der Listen, über die Kammer Wahlwerbung zu verbreiten. Alle Infos zur Kammerwahl hier.
Jahresabschluss 2025 einstimmig angenommen
Im Rahmen des Finanzberichts erläuterte Horst Kuhl, Kaufmännischer Leiter der PTK Hessen, die Mitgliederstruktur und -entwicklung der Kammer. Zum Stand vom 15.09.2025 verzeichnet die Kammer eine Mitgliederzahl von 7.348 im Vergleich zu 6.967 im vorangegangenen Jahr. Das bedeutet, die Zahl der hessischen Psychotherapeut*innen steigt kontinuierlich seit 15 Jahren. Insgesamt 4.269 Mitglieder sind aktuell in Hessen als Psychologische Psychotherapeut*innen (PP) tätig, 1.259 als Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen (KJP) und 179 Mitglieder haben eine Doppelapprobation inne. Die Anzahl der Psychotherapeut*innen gemäß der neuen Weiterbildung ist auf 104 gestiegen. Weiterhin waren im April 2026 1.476 Psychotherapeut*innen in Ausbildung (PiA) sowie 36 Psychotherapeut*innen in Weiterbildung (PtW) Mitglied der Kammer. Ein Blick auf die Altersstruktur zeigt weiterhin eine Häufung zwischen 29 und 39 Jahren.
Der durchschnittliche Beitrag je Mitglied liegt bei 381,56 € (Vj. 389,07 €). Bei der Berechnung des Durchschnittsbeitrags wurden die beitragsfreien PiAs nicht berücksichtigt. Berücksichtigung in der Berechnung fanden aber die Mitglieder, die aus anderen Gründen von der Zahlung des Kammerbeitrags befreit wurden. Bei der Berechnung mit allen Mitgliedern liegt der durchschnittliche Beitrag bei 308,50 (Vj. 308,65 €). Im Haushaltsplan 2025 wurde mit einem Durchschnittsbeitrag von 409 € kalkuliert.
Horst Kuhl stellte den Jahresabschluss 2025 vor, der daraufhin einstimmig durch die Delegierten festgestellt wurde. Ebenso einstimmig wurde der Vorstand entlastet. Der Finanzausschuss hatte keine Beanstandung und empfiehl der DV die Feststellung. Karl-Wilhelm Höffler und Horst Kuhl berichteten von einem konstruktiven Austausch und einem positiven Bericht des Wirtschaftsprüfers. Die DV beschloss, für 2026 die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Arcotas GmbH aus Bad Kreuznach erneut zu beauftragen.
Von 17 auf 34 Weiterbildungsstätten in 6 Monaten
Stanislava Arsenieva, Teamleitung Fort- und Weiterbildung, informierte in ihrer Präsentation über den aktuellen Stand der anlaufenden Weiterbildung für Psychotherapeut*innen. In Hessen gibt es inzwischen 34 anerkannte Weiterbildungsstätten. 21 davon befinden sich im ambulanten, 12 im stationären und 1 im institutionellen Bereich. Darüber hinaus laufen aktuell 26 weitere Antragsverfahren. Zum Zeitpunkt der 11. DV im Herbst 2025 lag die Anzahl der Weiterbildungsstätten noch bei 17 – eine Verdopplung innerhalb von sechs Monaten.
Um die Umsetzung der neuen Weiterbildung voranzutreiben veranstaltet die PTK Hessen seit 2024 eine „digitalen Roadshow“. Hierzu werden regelmäßig online Informationsveranstaltungen für Kliniken, Praxen sowie Selbsterfahrungsleiter*innen, Supervisor*innen und Befugte durchgeführt und interessierte Kammermitglieder über das Antragsverfahren zur Anerkennung als Weiterbildungsstätte informiert.
Update Qualitätssicherung: IQTIG-Modell weiterhin unter Kritik
Ein Update zum Thema „Qualitätssicherung“ gab Vizepräsidentin Else Döring. Das vom IQTIG im Auftrag des G-BA entwickelte Modell befindet sich seit Beginn dieses Jahres in der Erprobung in Nordrhein-Westfalen. In der Profession sei dieses System in seiner jetzigen Form weiterhin sehr umstritten. Zweifel bestünden insbesondere an der Güte der Qualitätsindikatoren und der Auswahl der Datenquellen, der fallbezogenen Dokumentation durch die Leistungserbringer*innen und dem umfangreichen Patientenfragebogen. Große Sorge bereite außerdem die Vorstellung, dass auf dieser Datenbasis zukünftig Praxen verglichen werden und durch Risikoselektion eine Verschlechterung der Versorgung zu erwarten sei. Der Ausschuss für Qualitätssicherung habe sich dieser Frage intensiv gewidmet und plädiere für eine aktive und inhaltliche Auseinandersetzung der Profession mit der aktuellen Entwicklung.
Ergebnisse der Nachwahlen von Ausschussmitgliedern und der Schlichtungsstelle
Ausschuss für Psychotherapie in der ambulanten Versorgung
Maximilian Müller,
(Nachfolgerin für Dr. Ewa Jonkisz)
Zweite Stelle bleibt unbesetzt, da keine Kandidat*innen vorgeschlagen wurden.
Ausschuss Psychotherapeutische Versorgung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen
Yildiz Cakir, KJP
(Nachfolgerin für Dagmar Nuding)
Ausschuss für Wissenschaft und Forschung
Bislang noch kein*e Kandidat*in vorgeschlagen.
Stellv. Vorsitzende der Schlichtungsstelle
Andrea Enes
PiA-Landessprecher*innen in neuer Besetzung
Nach dem Rücktritt von Eva Buchwald nahm das Team der hessischen PiA-Landessprecher*innen erstmalig in neuer Besetzung an der Delegiertenversammlung der Kammer teil. Johanna Jung (links) ist bereits seit Herbst 2025 PiA-Landessprecherin in Hessen, nahm aber zum ersten Mal an der Delegiertenversammlung teil. Erik Walter ist seit September 2024 dabei. Neuestes Teammitglied ist Laura-Maria Frischauf. Die PTK Hessen hieß das Team auf der Delegiertenversammlung willkommen und freut sich über berufspolitischen Nachwuchs.
Resolutionen zur Honorarkürzung und Nutzung digitaler Medien
Während ihrer 12. Sitzung hat die DV eine Resolution zur Honorarkürzung durch den Bewertungsausschuss beschlossen und setzt damit ein weiteres deutliches Statement gegen den Sparkurs der Krankenkassen. Außerdem wurde eine Resolution zur Nutzung digitaler Medien bei Kindern und Jugendlichen beschlossen, um damit auf die erheblichen Risiken wie Abhängigkeit, Cybermobbing, sexuelle Übergriffe („Grooming“) in online-Chats oder Überforderung insbesondere junge Menschen und die dadurch möglichen psychischen Folgen hinzuweisen.
Termine
Delegiertenversammlung
12. Delegiertenversammlung 18./19. September 2026
Konstituierende Sitzung
Ort: Hotel Oranien, Wiesbaden
Deutsche Psychotherapeutentage
48. DPT, Travemünde 08./09. Mai 2026
49. DPT, Berlin 13./14. November 2026
50. DPT, Düsseldorf 23./24. April 2027
51. DPT, Berlin 12./13. November 2027
