Bundestag beschließt GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz
Der Bundestag hat heute das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz beschlossen. Zahlreiche Gespräche mit Politiker*innen, Anhörungen, Stellungnahmen, öffentliche Aufklärung durch die Psychotherapeutenkammern und Aktionsbündnisse, tausende gingen auf die Straße und haben demonstriert – die Bemühungen der vergangenen Monate bleiben ungesehen und ungehört.
Durch die gesetzlichen Änderungen soll eine strukturelle Finanzlücke von 40 Milliarden Euro bis zum Jahr 2030 stabilisiert werden. Aus Sicht der PTK Hessen setzt das Gesetz vor allem auf kurzfristige Einsparmaßnahmen und gefährdet damit die Versorgung der Patient*innen, verschlechtert die Heilungschancen für psychisch Erkrankte und führen langfristig zu steigenden volkswirtschaftliche Kosten. Die geplanten Maßnahmen erhöhen den Druck auf ambulant tätige Psychotherapeut*innen enorm. „Dieses gesamte Paket spart am völlig falschen Ende - zu Lasten psychisch erkrankter Menschen und einer Berufsgruppe die nur ein Prozent der GKV-Kosten ausmacht. Gleichzeitig ist die Psychotherapie unabdingbar wichtig für jede einzelne Leidensgeschicht, aber auch ganz massiv für unsere Volkswirtschaft. Jeder Euro, der jetzt gespart wird, muss an anderer Stelle draufgezahlt werden. Wir sind maßlos enttäuscht über dieses Gesetz“, betont Dr. Heike Winter nach dem Beschluss im Bundestag. Heute Abend steht die Entscheidung des Bundesrates aus. Auch hier ist mit einem Beschluss des Gesetzes zu rechnen. In Kraft treten wird das Gesetz ab 30. Juli 2026, die meisten Kürzungen werden spätestens ab Januar 2027 wirksam.
Warum ist Psychotherapie wichtig?
Psychotherapie wirkt – Versorgung sichern
Psychotherapie wirkt nachhaltig und wissenschaftlich bestätigt. Sie hilft Menschen dabei, psychische Erkrankungen zu bewältigen und verbessert langfristig die Lebensqualität. Mehr als 60 Prozent der Patient*innen, die sich behandeln lassen, geht es danach wesentlich besser. Selbst ein Jahr nach Abschluss der Behandlung nehmen seelische Belastungen weiter ab.
Demgegenüber stehen lange Wartezeiten auf einen Therapieplatz. Diese erhöhen das Risiko, dass sich psychische Erkrankungen chronifizieren. Aktuell warten Menschen im Durchschnitt fast fünf Monate auf einen Therapieplatz, bei Kindern und Jugendlichen sind es neun bis zwölf Monate. Eine schnelle Hilfe und ein niedrigschwelliger Zugang sind fundamental wichtig, um die Versorgung der Patient*innen sicherzustellen. Finanzielle Einsparungen spitzen die bereits angespannte Situation weiter zu, Wartezeiten werden noch länger.
Volkswirtschaftlicher Nutzen – Ausfallzeiten verringern
In Deutschland sind jedes Jahr 27,8 Prozent der erwachsenen Bevölkerung von einer psychischen Erkrankung betroffen. Sie zählen neben Herz-Kreislauf-, Krebs- und muskuloskelettalen Erkrankungen zu den vier häufigsten Ursachen für den Verlust gesunder Lebensjahre. Besonders betroffen sind Frauen, Kinder und Jugendliche sowie Menschen aus niedrigen Bildungsgruppen. Auch die Anzahl der Suizide ist in den letzten Jahren gestiegen.
Jede psychische Erkrankung führt unbehandelt zu immensen gesamtgesellschaftlichen Kosten. Unter anderem durch Fehltage, Produktivitätsverluste und mögliche Frühverrentungen. Damit wird deutlich: Psychotherapie lohnt sich und das auch volkswirtschaftlich. Jeder Euro, der in die psychotherapeutische Versorgung investiert wird, zahlt sich etwa dreifach aus, denn sie beugt finanzielle Einbußen vor und führt langfristig zu mehr Arbeitsproduktivität. Insbesondere die Behandlung von Eltern schützt Kinder und Jugendliche davor, selbst psychisch zu erkranken.
Gesundes Aufwachsen – Eigene Bedarfsplanung für Kinder und Jugendliche
Kinder und Jugendliche sind seit der Pandemie zunehmend psychisch stark belastet (18 %), mit steigender Tendenz. Die meisten psychischen Probleme manifestieren sich im jungen Entwicklungsalter und können bei Nichtbehandlung zu einer Chronifizierung führen. Das Problem liegt vor allem in der unzureichenden ambulanten psychotherapeutischen Versorgung. Nur bis zu 10 Prozent der erkrankten Kinder und Jugendlichen erhalten rechtzeitig eine Behandlung. Dies liegt insbesondere an der fehlenden Bedarfsplanung, wodurch die benötigten Kapazitäten nicht ausreichend gedeckt werden können. Dabei ist eine frühzeitige Behandlung entscheidend, damit junge Menschen am gesellschaftlichen Leben aktiv teilhaben können.
