Resolutionen 47. Deutscher Psychotherapeutentag
Digitale Agenda der Psychotherapie – Bericht 47. Deutscher Psychotherapeutentag
Mitte November 2025 kamen die Bundesdelegierten aller Landeskammern sowie die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) zum 47. Deutschen Psychotherapeutentag (DPT) in Berlin zusammen. Im Mittelpunkt der zweitägigen Sitzung standen insbesondere Fragen der Digitalisierung und künstlicher Intelligenz (KI). Außerdem wurden die Weiterbildung, das eLogbuch, Präventionsstrategien, der Jahresabschluss 2024, der Haushalt 2026 diskutiert.
Politische Grußworte
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) betonte in ihrem Video-Grußwort die zunehmende Bedeutung psychischer Gesundheit für Lebensqualität und gesellschaftliche Teilhabe. Obwohl psychische Erkrankungen weit verbreitet seien, erlebten Betroffene und ihre Angehörigen noch immer Anfeindungen und Diskriminierung. Dies müsse sich ändern. Um die Versorgung zu verbessern, brauche es vor allem niedrigschwellige Angebote, die Menschen frühzeitig unterstützen.
Dr. Tanja Machalet, Vorsitzende des Gesundheitsausschusses und Mitglied des Deutschen Bundestages, würdigte die tägliche Arbeit der Psychotherapeut*innen, die Menschen dabei helfen, Halt und Perspektiven wiederzufinden. Gesundheit sei kein Luxusgut, so Machalet, und es dürfe nicht an der falschen Stelle gespart werden. Prävention sei keine Nebensache, sondern Voraussetzung für nachhaltige Gesundheits- und Wirtschaftspolitik. Besonders wichtig sei eine eigene Bedarfsplanung für Kinder und Jugendliche, die jedoch ausreichend finanzielle Mittel und Fachleute benötige. Auch die Finanzierung der Weiterbildung müsse gesichert werden, dazu stehe die SPD geschlossen.
Kammerseitig wurde der 47. DPT von Dr. Andrea Benecke, Präsidentin Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK), eröffnet. Sie berichtete von einem Gespräch mit Bundesgesundheitsministerin Warken, das „auf Augenhöhe“ stattgefunden habe. Sie versicherte: Trotz der aktuell eingeschränkten finanziellen Ressourcen werde den Anliegen der Psychotherapeutenschaft mit ernsthaftem Interesse begegnet. Sie unterstrich die Bedeutung einer separaten Bedarfsplanung, um wohnortnahe, flexible und altersgerechte Angebote zu schaffen.
Digitale Entwicklung und die Rolle der KI
Prof. Dr. Susanne Schreiber, stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, gab einen Einblick in die Entwicklungen im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI). Die Gesellschaft müsse entscheiden, an welchen Stellen sie eigenen Aufwand betreiben wolle, um Kompetenzen zu erlernen, die künftig auch durch KI unterstützt oder übernommen werden könnten. Zugleich brauche es Stellen, die medizinische KI-Produkte „ordentlich prüfen“, was aufgrund der langwierigen Prozesse anspruchsvoll sei. Sie äußerte großen Respekt vor den Entwicklungen in den Laboren und stellte heraus, dass menschliche Gehirne trotz individueller Unterschiede sehr ähnlich seien, im Unterschied zu KI-Systemen, die irgendwann „von sich selbst lernen“. Die Psychotherapie selbst sah sie nicht in naher Zukunft gefährdet, da sie wesentlich von persönlicher Interaktion geprägt sei.
Änderungen der Muster-Berufsordnung
In der Diskussion zur Änderung der Muster-Berufsordnung (MBO) stand die Frage im Mittelpunkt, wie digitale Möglichkeiten sinnvoll genutzt werden können, ohne dabei von den fachlichen Standards der Psychotherapie abzuweichen. Dr. Nikolaus Melcop (BPtK), betonte, dass die Berufsgruppe der Psychotherapeut*innen seit Jahren aktiv daran arbeitet, den berufs- und sozialrechtlichen Rahmen für videogestützte Psychotherapie weiterzuentwickeln. Mit den nun beschlossenen Anpassungen soll die Digitalisierung nutzbar gemacht werden, ohne Abstriche bei Qualität oder Patient*innensicherheit hinzunehmen. Auch solle die Flexibilisierung dazu beitragen, Bedarfe besser abzudecken, ohne Fehlentwicklungen zu begünstigen. Beispielsweise für schwer Erkrankte und im ländlichen Raum.
Umsetzung der Weiterbildung
Die Umsetzung der Weiterbildung blieb ein zentrales Thema. Es wurde hervorgehoben, dass es durch konzertierte Aktionen gelungen sei, Aufmerksamkeit der Politik zu gewinnen. In den Medien sei angekommen, dass der Nachwuchs weiterhin massive Schwierigkeiten habe, Weiterbildungsstellen zu finden, da viele ambulante und stationäre Einrichtungen die hohen strukturellen und finanziellen Anforderungen bislang nicht erfüllen können. Diese Lücke gefährde perspektivisch die Versorgung ab dem Jahr 2030, insbesondere vor dem Hintergrund, dass gleichzeitig viele erfahrene Psychotherapeut*innen in den kommenden Jahren in den Ruhestand gehen werden. Einige Kassen förderten bereits PTW-Stellen, jedoch sei dies nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Positiv hervorgehoben wurde jedoch die Einrichtung erster Weiterbildungsstätten in mehreren Bundesländern – darunter Hessen mit aktuell 18 Weiterbildungsstätten und 22 besetzte Weiterbildungsstellen.
Im Kontext der Weiterbildungsumsetzung wurde auch das eLogbuch thematisiert. Es wurden acht Unternehmen aufgefordert, Angebote einzureichen; eine Entscheidung sei Anfang 2026 geplant. Mit dem aktuellen Beschluss des Gesetzes zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege (BEEP) sei ein erster Baustein für die Weiterbildung in Ambulanzen gelegt worden.
Dr. Heike Winter dankte bei dieser Gelegenheit der Psyfako, BuKo , PiAs und Student*innen für ihren Einsatz, ihre Demonstrationen und ihre politische Öffentlichkeitsarbeit im Zusammenhang mit der mangelnden Finanzierung der Weiterbildung.
Gleichstellung und Frauenquote
Die Gleichstellungskommission brachte das Thema der Gleichstellung von Frauen in der Psychotherapie ein. Im internationalen Vergleich schneidet Deutschland bei der Frauenquote in Führungspositionen schlecht ab, mit nur 29 Prozent im Vergleich zu Schweden, das mit 44 % an der Spitze steht. Im Anschluss an die Diskussion wurde eine Frauenquote in allen Gremien von mindestens 50 Prozent beschlossen.
Resolutionen
Der 47. Deutsche Psychotherapeutentag hat sich in seinen Resolutionen mit zentralen Herausforderungen der psychotherapeutischen Versorgung befasst. Thematisiert wurden unter anderem der Schutz psychisch erkrankter Menschen vor Stigmatisierung, die Sicherung der Versorgung Geflüchteter sowie die dringend notwendige Verbesserung der Weiterbildungsfinanzierung. Zudem positionierte sich der DPT klar für demokratische Werte und betonte den besonderen Handlungsbedarf bei der Versorgung von Kindern und Jugendlichen. Auch die Auswirkungen sozialer Medien, das Anwachsen bürokratischer Belastungen, die Bedeutung des Klimaschutzes für die psychische Gesundheit sowie Defizite in der stationären Psychotherapie waren Gegenstand der Beschlüsse.
Im Einzelnen verabschiedete der DPT folgende Resolutionen:
- Finanzierung der Weiterbildung vollständig sichern
- Psychische Belastungen gemeinsam bewältigen
- Separate Bedarfsplanung für Kinder und Jugendliche unverzüglich umsetzen!
- Social Media: Stärkung psychischer Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in einer digitalen Welt
- Unnütze Bürokratie jetzt stoppen! Erprobung des QS-Verfahrens Ambulante Psychotherapie in NRW einstellen und gesetzlichen Auftrag für dieses QS-Verfahren streichen!
- Für eine Versorgung ohne Misstrauen und Stigmatisierung – Keine Register für Menschen mit psychischen Erkrankungen
- Finanzierung der psychosozialen Versorgung Geflüchteter sichern!
- Für Zusammenhalt, Solidarität und Demokratie
- COP30: Klimaschutz beharrlich vorantreiben – Klimaschutz ist Gesundheitsschutz!
- Mindestmaß an Psychotherapie in der Psychiatrie sicherstellen!
