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Aus der Praxis – Irankonflikt: Krisenintervention in Hessen

27.10.2022 | Kategorie:

Gemeinsam mit einer Gruppe persischsprachiger Psychotherapeut*innen aus Hessen bietet unser Mitglied Yasaman Soltani seit Beginn der Proteste akute Hilfe für Betroffene an. Viele in Deutschland lebende Iraner*innen und deren Familien seien in tiefer Sorge um ihre Verwandten und Freund*innen im Iran.

Irankonflikt: Krisenintervention in Hessen

Seit Wochen gehen Menschen im Iran auf die Straße, um für Menschenrechte und gegen das Regime zu demonstrieren. Vor allem junge Menschen, Studierende vereinen sich unter der Parole „Frauen. Leben. Freiheit.“. Ausgelöst wurden die Proteste durch den Tod der 22 Jahre alten Mahsa Amini, die wegen eines Verstoßes gegen die Vorschriften zum Tragen des Hijab verhaftet wurde und am 16. September in Polizeigewahrsam starb. Der Staat geht gewaltsam gegen die Proteste vor, wodurch laut Medienberichten bereits über 240 Menschen zu Tode gekommen sind.

Wir haben mit unserem Mitglied YASAMAN SOLTANI gesprochen:

Yasaman Soltani ist Psychologische Psychotherapeutin mit eigener Praxis in Neu-Isenburg. Sie selbst kam mit ihrer Familie im Alter von sechs Jahren aus dem Iran nach Deutschland. Gemeinsam mit einer Gruppe persischsprachiger Psychotherapeut*innen aus Hessen bietet sie seit Beginn der Proteste akute Hilfe für Betroffene an. Viele in Deutschland lebende Iraner*innen und deren Familien seien in tiefer Sorge um ihre Verwandten und Freund*innen im Iran. „Alle verfolgen konstant die Berichte auf Social Media oder erhalten direkt Informationen aus dem Iran und haben unglaubliche Angst, dass sie den nächsten Namen von einer Verhaftung oder Ermordung kennen“, berichtete Soltani.

Genau deshalb hat sie mit Kolleg*innen kurzfristig ein Angebot an Erstgesprächen, Gruppensitzungen und einer Selbsthilfegruppe auf die Beine gestellt. Jede*r habe so viele Kapazitäten freigemacht wie möglich. Es gehe dabei nicht um langfristige Psychotherapie, sondern um akute Krisenintervention. „Seit 43 Jahren herrscht im Iran eine Diktatur. Mit dem Tod der jungen Frau ist die Wut nach außen gebrochen,“ erklärte Soltani, „insbesondere bei der älteren iranstämmigen Generation in Deutschland lösen die Proteste Erinnerungen an traumatisierende Erlebnisse in der Heimat aus.“ In wenigen Sitzungen soll den Betroffenen vor allem Fähigkeiten zum Umgang mit hoher Anspannung und Selbstfürsorge vermittelt werden. Psychoedukation hält Soltani in dieser Situation für eine sinnvolle Hilfestellung.

KONTAKT: Wenn auch Sie wie Frau Soltani und Ihre Kolleg*innen Betroffene unterstützen möchten, wenden Sie sich bitte per E-Mail an PraxisSoltani@pm.me

TIPP! Gruppenpsychotherapeutische Grundversorgung braucht keinen Antrag und geht von keinem Kontingent ab. So können Sie kurzfristig und einfach helfen. Grundversorgung, Ziffer: 3517x (3 bis 9 Teilnehmende, 4 Sitzungen, je 100 Minuten) / Probatorik, Ziffer: 3516x (3 bis 9 Teilnehmende, 2 Sitzungen, je 100 Minuten)

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