Persönlichkeitsstörungen bei Kindern und Jugendlichen:
Diagnostik und frühe Interventionen
Am 16. Januar veranstaltete die PTK Hessen im KA eins Frankfurt eine Präsenzfortbildung zum Thema „Persönlichkeitsstörungen bei Kindern und Jugendlichen: Diagnostik und frühe Interventionen“. Rund 50 Teilnehmende, Psychotherapeut*innen aus dem Bereich Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie, nahmen an der Veranstaltung teil.
Eröffnet wurde die Fortbildung von Vizepräsidentin Else Döring, die die Teilnehmenden begrüßte und die beiden Referent*innen des Nachmittags vorstellte. Sabine Wald aus dem Vorstand der PTK Hessen begleitete die Veranstaltung ebenfalls.
Den ersten fachlichen Beitrag gestaltete Prof. Dr. Klaus Schmeck, der sich der Borderline-Persönlichkeitsstörung im Jugendalter widmete. Er gab einen Überblick über verschiedene gängige Behandlungskonzepte und stellte deren Wirksamkeit im Lichte aktueller Studien vor. Besonders anschaulich wurde der Vortrag durch den Einsatz von Videomaterial aus der Adolescent Identity Treatment (AIT), anhand dessen zentrale therapeutische Prinzipien und Interventionen verdeutlicht wurden. Die praxisnahen Beispiele ermöglichten den Teilnehmenden einen konkreten Einblick in die therapeutische Arbeit mit betroffenen Jugendlichen und machten die Bedeutung früher, strukturierter Behandlungsansätze greifbar.
Im Anschluss referierte Dr. Maya Krischer zu Persönlichkeitsstörungen im Kindes- und Jugendalter mit einem Schwerpunkt auf narzisstische Ausprägungen. Auf Grundlage ihrer umfangreichen klinischen und wissenschaftlichen Erfahrung stellte sie entwicklungspsychologische Besonderheiten, diagnostische Herausforderungen sowie frühe Interventionsmöglichkeiten dar. Dabei wurde deutlich, wie wichtig eine sensible, ressourcenorientierte Herangehensweise ist, um Stigmatisierungen zu vermeiden und gleichzeitig tragfähige therapeutische Prozesse zu ermöglichen.
Im Verlauf der Fortbildung wurde insgesamt deutlich, dass sich der fachliche Umgang mit Persönlichkeitsstörungen im Kindes- und Jugendalter in den vergangenen Jahren grundlegend gewandelt hat. Während entsprechende Diagnosen früher vor dem 18. Lebensjahr als problematisch galten, zeigen aktuelle Forschungsergebnisse, dass bereits ab dem 12. Lebensjahr eine differenzierte und valide Diagnostik möglich und sinnvoll ist. Diese Entwicklung spiegelt sich unter anderem in der aktuellen S3-Leitlinie zur Borderline-Persönlichkeitsstörung sowie in den Anpassungen von ICD-11 und DSM-5 wider und bildet heute eine wichtige Grundlage für frühe Interventionen.
Die Fortbildung bot den Teilnehmenden einen fundierten Überblick über den aktuellen Stand von Forschung und Praxis und verdeutlichte die Bedeutung früher, fachlich gut begründeter Diagnostik und Behandlung. Sie wurde von den Teilnehmenden als informativ und gewinnbringend wahrgenommen und leistete einen wichtigen Beitrag zur fachlichen Orientierung in einem sensiblen und lange kontrovers diskutierten Versorgungsbereich.
