Psychotherapie ist unersetzlich - 450 Demonstrierende in FFM
Gemeinsam für die Finanzierung der Weiterbildung und die Zukunft der Psychotherapie
Am Samstag, den 17. Januar 2026, haben sich in Frankfurt am Main rund 450 Menschen zu einer Demonstration für eine geregelte Finanzierung der psychotherapeutischen Weiterbildung versammelt. Teilgenommen haben vor allem Studierende der Goethe-Universität sowie bereits approbierte Psychotherapeut*innen.
Die Versammlung, moderiert von Milena Ajdukovic und Paula Westenberger, startete vor der Alten Oper. Nach der Eröffnung sprach zunächst Karla Thomas (Masterstudentin der Goethe-Universität) über die Perspektive der Studierenden und die wachsende Verunsicherung beim Übergang der Weiterbildung. Anschließend ordnete Vorstandsmitglied Prof, Dr, Rudolf Stark die Situation fach- und berufspolitisch ein und machte deutlich, dass die derzeitigen Rahmenbedingungen für den Nachwuchs nicht hinnehmbar sind: „Nach seriösen Schätzungen muss eine Weiterbildungsstätte zwischen zwei- und dreitausend Euro pro Monat pro Weiterbildungskandidat*in drauflegen. Das kann definitiv so nicht funktionieren.“ Zugleich verwies er auf den steigenden Bedarf: „Gerade in politisch und wirtschaftlichen Zeiten wie diesen wissen wir, dass die psychische Gesundheit hart auf die Probe gestellt wird, immer mehr Menschen Werden psychisch krank.“ Seine Botschaft war eindeutig: „Wir brauchen eine bessere Versorgung und keine schlechtere Versorgung!“ Trotz der angespannte Lage, findet Stark dennoch zuversichtliche, abschließende Worte:
Noch habe ich den Glauben nicht verloren, dass sich am Ende die Vernunft durchsetzt.
Im weiteren Verlauf berichtet Kai Reh (angehender Psychotherapeut) aus eigener Erfahrung über die Bedeutung psychotherapeutischer Versorgung und die Konsequenzen, wenn Weiterbildungskapazitäten fehlen.
Danach setzte sich der Demonstrationszug in Bewegung Richtung Regenbogenkreisel. Dort unterstrich Kammerpräsidentin Dr. Heike Winter die Dringlichkeit einer gesetzlich abgesicherten Finanzierung und fairer Beschäftigungsbedingungen: „Die Weiterbildung muss in angemessener Vergütung erfolgen, angemessene Vergütung für einen akademischen Heilberuf ist mal ein Minimum.“ Mit Blick auf die Versorgungssicherung richtete sie sich ausdrücklich an die Student*innen: „Wir brauchen euch! […] Wenn wir euch jetzt nicht ausbilden, dann werdet ihr uns in fünf bis zehn Jahren bitter, bitter fehlen. Uns [und] unseren Patient*innen.“ Ihr Fazit:
Weiterbildung gibt es nicht zum Nulltarif!
Im Anschluss sprachen Student Christian Guth und Dr. Ewa Jonkisz, Leiterin der Linden-Ambulanz für Psychotherapie in Frankfurt, mit Blick auf Versorgungspraxis und strukturelle Engpässe, bevor der Demonstrationszug weiter zum Willy-Brand-Platz zog, wo Barbara Lubisch (Dipl.-Psych.) sowie Jonas Winkelmayer und Helena Schulz (Studierende, Koordinator*innen der AG Psychotherapie-Reform der PsyFaKo) die bundesweite Dimension der Problemlage beleuchteten.
Die Demo machte deutlich: Ohne eine klare gesetzliche Regelung der Finanzierung droht die Weiterbildung, und damit auch die Sicherung des psychotherapeutischen Nachwuchses, in eine strukturelle Sackgasse zu geraten, denn das hätte unmittelbare Folgen für Patient*innen, wenn Versorgungskapazitäten perspektivisch weiter zurückgehen und Wartezeiten noch länger werden.
