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Corona: Fragen und Antworten

Die Corona-Krise wirft auch bei Psychologischen Psychotherapeut*innen und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen viele Fragen auf. Antworten auf häufig gestellte Fragen finden Sie hier. Bitte beachten: Wegen der dynamischen Entwicklung stehen diese Antworten stets unter Vorbehalt neuer Erkenntnisse stehen. Sobald es neuere bzw. weitere Informationen gibt, informieren wir Sie auf diesen Internetseiten: Bleiben Sie gesund!

Zum 1. April 2022 ist eine erneute Änderung des Infektionsschutzgesetzes in Kraft getreten. Im Zuge dessen wurde die hessische Corona-Schutzverordnung angepasst. Mit der Anpassung entfallen viele Schutzmaßnahmen. Darunter auch die Masken- und Testpflicht in der Psychotherapie. Wir als Kammer empfehlen weiterhin, Hygienemaßnahmen, wie das Tragen einer Maske, zu ergreifen. Damit schützen Sie sich und die Patient*innen vor einer Infektion – insbesondere im Hinblick auf die Dauer psychotherapeutischer Therapiestunden. Allgemeine aktuelle Informationen finden Sie immer unter: www.hessen.de/handeln/corona-in-hessen 

Hygiene

Maskenpflicht in der psychotherapeutischen Praxis?

Zum 1. April 2022 ist eine erneute Änderung des Infektionsschutzgesetzes in Kraft getreten. Im Zuge dessen wurde die hessische Corona-Schutzverordnung angepasst und die Maskenpflicht in weiten Teilen beendet. Im Gesundheitsbereich gilt die Maskenpflicht weiterhin für: Arztpraxen, Kliniken und Krankenhäuser (nicht für stationäre Krankenhauspatient*innen). Die ausführlichen Informationen dazu finden Sie hier. Gemäß einer Auskunft des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration (HMSI) zählen psychotherapeutische Praxen nicht dazu. Das bedeutet, dass seit dem 1. April 2022 keine gesetzliche Maskenpflicht in psychotherapeutischen Praxen mehr besteht.

Es obliegt den psychotherapeutischen Praxisinhaber*innen, „den Zutritt zu ihren Praxisräumen weiterhin vom Tragen einer Maske abhängig (zu) machen. Sie sind berechtigt, eine solche Regelung im praxisindividuellen Hygienekonzept festzulegen.“, so auch KBV vom 01.04.2022 Der Hinweis kann zum Beispiel durch einen Aushang an der Praxistür kommuniziert werden. Den Artikel finden Sie hier.

Wir als Kammer empfehlen weiterhin das Tragen einer Maske, um sich selbst und die Patient*innen vor einer Infektion zu schützen – insbesondere auf Grund der Dauer psychotherapeutischer Therapiestunden.

 

Recht

Maskenpflicht in der psychotherapeutischen Praxis?
Zum 1. April 2022 ist eine erneute Änderung des Infektionsschutzgesetzes in Kraft getreten. Im Zuge dessen wurde die hessische Corona-Schutzverordnung angepasst und die Maskenpflicht in weiten Teilen beendet. Im Gesundheitsbereich gilt die Maskenpflicht weiterhin für: Arztpraxen, Kliniken und Krankenhäuser (nicht für stationäre Krankenhauspatient*innen). Die ausführlichen Informationen dazu finden Sie hier. Gemäß einer Auskunft des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration (HMSI) zählen psychotherapeutische Praxen nicht dazu. Das bedeutet, dass seit dem 1. April 2022 keine gesetzliche Maskenpflicht in psychotherapeutischen Praxen mehr besteht.

Es obliegt den psychotherapeutischen Praxisinhaber*innen, „den Zutritt zu ihren Praxisräumen weiterhin vom Tragen einer Maske abhängig (zu) machen. Sie sind berechtigt, eine solche Regelung im praxisindividuellen Hygienekonzept festzulegen.“, so auch KBV vom 01.04.2022 Der Hinweis kann zum Beispiel durch einen Aushang an der Praxistür kommuniziert werden. Den Artikel finden Sie hier.

Wir als Kammer empfehlen weiterhin das Tragen einer Maske, um sich selbst und die Patient*innen vor einer Infektion zu schützen – insbesondere auf Grund der Dauer psychotherapeutischer Therapiestunden.​

Fernbehandlung

Sonderregelungen Videosprechstunde, Gruppentherapie und Telefonsprechstunde

Mit der Änderung des Infektionsschutzgesetzes zum 1. April, sind auch die Sonderregelungen zu Online-Behandlungsmöglichkeiten ausgelaufen. Die PTK Hessen sowie die BPTK und weitere Landeskammern haben sich mit Blick auf die weiterhin hohen Inzidenzen im Vorfeld für eine Verlängerung der Sonderregelungen stark gemacht – mit Erfolg: Die ursprünglich geltende Begrenzung der Videosprechstunde von 20 Prozent wurde auf 30 Prozent erhöht. Das heißt, dass Psychotherapeut*innen pro Quartal fast jede*n dritte*n Patient*in ausschließlich per Video behandeln können. Bei den übrigen Patient*innen kann die Videosprechstunde flexibel angewendet werden, wenn mindestens ein persönlicher Kontakt im Quartal erfolgt ist. Aktualisierte Informationen zur Videosprechstunde in der Psychotherapie (allgemeine Regelungen, technische Voraussetzungen und Abrechnung) finden Sie hier. Darüber hinaus plant die KBV eine flexiblere, bedarfsorientierte Anwendung der Videosprechstunde in der Psychotherapie. Mehr

Dürfen auch PiAs Videosprechstunden durchführen?

Prinzipiell dürfen auch PiAs in Hessen im Rahmen der praktischen Ausbildung die Videosprechstunden durchführen. Die Videosprechstunde ist eine EBM-Leistung, die in der Psychotherapievereinbarung hinterlegt ist. In Hessen haben alle Ausbildungsinstitute eine Vergütungsvereinbarung mit den Krankenkassen geschlossen die beinhaltet, dass die Leistungen des EBM auch in den Ausbildungsambulanzen und Hochschul- und Lehrambulanzen zur Anwendung kommen. Das bedeutet, dass grundsätzlich auch PiAs im Rahmen der Praktischen Ausbildung die Videobehandlung durchführen dürften. Das wäre inhaltlich vielleicht auch ganz sinnvoll, weil man dadurch bereits in der Ausbildung unter Anleitung und Fachaufsicht lernen kann, wie Videobehandlungen durchgeführt werden. Diese Behandlungen müssen ebenso wie die Präsenztherapien regelmäßig supervidiert werden.

Allerdings entscheidet letztlich jede Ausbildungsambulanz selbst darüber, ob sie die Möglichkeit der Videobehandlung für die PiAs eröffnen will oder kann. Es müssen dafür sehr umfangreiche fachliche, technische und räumliche Voraussetzungen geschaffen werden.

Welche Praxis-Tipps gibt es für videokonferenz-basierte Psychotherapie?
Wie können Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutinnen und –therapeuten die Videosprechstunde nutzen?

Wir empfehlen, die Möglichkeit der Videosprechstunde als Chance zu sehen und individuell mit dem Kind gemeinsam zu erproben, was gut funktioniert. Je nach dem könnte die Videosprechstunde auch in zwei Einheiten aufgeteilt werden oder es werden nur 25 Minuten Einheiten Videotherapie appliziert. Insbesondere bei kleineren Kindern empfehlen wir, kürzere Sequenzen durchzuführen. Positiv ist z.B. auch, dass die Videosprechstunde dazu genutzt werden die Bezugspersonen partiell einzubeziehen bzw. ein Bezugspersonengespräch zu führen.

Bei älteren Kindern sowie Jugendlichen ist ein längeres Gespräch möglich, indem auf die Aktualsituation des Kindes Bezug genommen werden kann. Derzeit ist durch den fehlendenden Schulbesuch und der veränderten Betreuungssituation eine Strukturierung des Tages für die Kinder und Jugendlichen nicht gegeben. In einigen Fällen tritt eine Verschiebung des Tag- Nacht-Rhythmus auf. Den Kindern und Jugendlichen fehlt ein Ansprechpartner, außerhalb der Familie. Der Einsatz von Spielmaterial ist begrenzt möglich, ich verweise aber auf den Einsatz von Handpuppen, die Möglichkeit Geschichten zu erzählen und andere kreatives Vorgehensweisen, die in diesem Zusammenhang einsetzbar sind. Da die älteren Kinder und Jugendlichen ja zumeist medienaffin sind, denken wir, dass die Videosprechstunde mit dieser Altersgruppe gut nutzbar sein könnte.

Die Durchführung von Spieltherapie im eigentlichen Sinn bedarf besonderer Kreativität über Video.

Darf ich die Videotherapie als Psychotherapeut auch von zuhause durchführen?
Hier kursieren unterschiedliche Aussagen. Auf Anfrage bei der insoweit maßgeblichen Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH) haben wir die Auskunft erhalten, dass die Leistungserbringung bei der Videotherapie – wie im übrigen auch – an den vertragspsychotherapeutischen Sitz der Praxis gebunden ist. Sie müssen sich also in der Praxis befinden und dürfen die Therapie nicht im häuslichen Arbeitszimmer durchführen. Möglicherweise wird es aber kurzfristig eine abweichende Auslegung geben. Bitte verfolgen Sie hierzu auch die Mitteilungen der KVH.
Wo finde ich ein Einwilligungsformular für die Videosprechstunde?
Bevor eine psychotherapeutische Behandlung über einen zertifizierten Videodienstleister erfolgen kann, muss der Patient oder die Patientin oder sein gesetzlicher Vertreter eine Einwilligungserklärung unterzeichnen. Ein Musterformular finden Sie hier.
Wenn ich selbst Corona-Positiv getestet werden sollte, dürfte ich dann (wenn meine Praxis für Patienten geschlossen werden sollte) vom Praxisraum heraus, Videosprechstunde anbieten?
Derzeit würde bei einem positiven Testergebnis eine häusliche Quarantäne durch das Gesundheitsamt angeordnet. Eine psychotherapeutische Versorgung der Patienten durch den Erkrankten ist daher in der Praxis nicht möglich.
Videosprechstunde: Technik – Vergütung – Patienteninformation

Patientinnen und Patienten müssen nicht für jeden Termin in die Praxis kommen.Die Organisation ist denkbar einfach: Psychotherapeut(inn)en wählen einen zertifizierten Videodienstanbieter aus, der für einen reibungslosen und sicheren technischen Ablauf der Videosprechstunde sorgt. Praxis und Patient benötigen im Wesentlichen einen Bildschirm mit Kamera, Mikrofon und Lautsprecher sowie eine Internetverbindung. Eine zusätzliche Software ist nicht erforderlich.

Weitere Einzelheiten zu technischen Anforderungen und zur Vergütung erfahren Sie hier: 

https://www.kbv.de/html/videosprechstunde.php

Eine Patienteninformation über Videosprechstunden ist hier verfügbar: 

https://www.kbv.de/media/sp/Patienteninformation_Videosprechstunde.pdf

Anschubförderung (bei mindestens 15 Videosprechstunden pro Quartal):

Seit 1. Oktober 2019 zahlen die gesetzlichen Krankenkassen eine Anschubfinanzierung für Ärzte und Psychotherapeuten, die Videosprechstunden durchführen – für bis zu 50 Online-Visiten im Quartal zehn Euro je Sprechstunde zusätzlich (insgesamt bis zu 500 Euro). Die Fördermöglichkeit gilt für zwei Jahre und erfolgt als Zuschlag über die GOP 01451 (Bewertung: 92 Punkte / 9,95 Euro). Voraussetzung für den Zuschlag ist, dass die Praxis mindestens 15 Videosprechstunden im Quartal durchführt. Der Zuschlag wird dann automatisch durch die Kassenärztliche Vereinigung zugesetzt.

Anschubförderung Videosprechstunde (Stand: 10.2019, PDF, 72 KB)

Übrigens:

Mit dem Angebot “Mein PraxisCheck” Informationssicherheit können Praxen mit 14 Fragen zu Datenschutz und Informationssicherheit testen, wie sicher sie sind: Von Aufbewahrungsfristen der Patientenunterlagen über Risiko- und Fehlermanagement bis hin zu Zugängen zu IT-Systemen.

Fragen zur Arbeit in Kliniken, Beratungsstellen und anderen Institutionen (Redaktion: Karl-Wilhelm Höffler)

Home-Office – Ich gehöre einer Risikogruppe an. Kann ich von meinem Arbeitgeber verlangen, im Home-Office zu arbeiten oder andere spezielle Schutzmaßnahmen einfordern?

Der Arbeitgeber hat eine arbeitsschutzbezogene Fürsorgepflicht gegenüber seinen Arbeitnehmer*innen. Wie das im Detail auszugestalten wäre, sollte im Kontakt mit der Arbeitssicherheitsbeauftragten geklärt werden. Zugleich wäre zu prüfen, ob es eine Betriebsvereinbarung zu Home-Office gibt, z. B. zu der Frage, wie bei Home-Office die Arbeitszeit erfasst wird. Home-Office bei Psychotherapeut*innen sollte so gestaltet werden, dass die Anordnung des Arbeitgebers dazu schriftlich erfolgt und die im Home-Office zu erledigenden Aufgaben definiert werden. In der Anordnung zum Home-Office wäre ggf. auch besondere Regeln des Datenschutzes zu beachten und schriftlich zu formulieren. Auch die Kostenerstattung der Nutzung privater Arbeitsmittel wäre zu beschreiben.

Besuchsregelungen – Welche Spielräume haben Psychotherapeut*innen im Hinblick auf Besuche von wichtigen Angehörigen in stationären Einrichtungen? (insbesondere in der Kinder- und Jugendpsychiatrie/ Psychotherapie)

Besuchsregelungen sind teilweise in der Landesverordnung festgeschrieben. Besuche von Bezugspersonen können ein wichtiger Bestandteil der Psychotherapie sein. Besondere Besuchsregeln von Bezugspersonen im Rahmen des psychotherapeutischen Prozesses sollten mit der Einrichtungsleitung besprochen und von ihr freigegeben werden.

Arbeitsschutz – Welche Regeln des Arbeitsschutzes gelten?

Hinweise dazu gibt die Berufsgenossenschaft BGW (www.bgw-online.de) und die Arbeitsministerium des Bundes BMAS (https://www.bmas.de/DE/Schwerpunkte/Informationen-Corona/Arbeitsschutz/arbeitsschutz.html).

Ergänzend kann die Leitung der Einrichtung Regeln des Arbeitsschutzes noch verschärfen und erweitern.

Hygiene-Maßnahmen des Psychotherapeutischen Dienstes – Welche Hygienemaßnahmen des Psychotherapeutischen Dienstes wären zu ergreifen?

Zunächst greifen die Hygiene-Maßnahmen, die die Einrichtungsleitung angeordnet hat. Ergänzend wären Hygienemaßnahmen denkbar, die vom Psychotherapeutischen Dienst vorgeschlagen werden. Um nur einige Beispiele zu nennen, ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

  • Verkleinerung der Gruppen, um einen größeren Abstand der Gruppenteilnehmer*innen zu erreichen, was zur Folge hat, dass mehr Gruppentermine angeboten werden müssen.
  • Intensives Lüften der Räumlichkeiten.
  • Durchführen der Einzelgespräche im Gruppenraum, um mehr Abstand zu den Patient*innen herstellen zu können.
  • Bevorratung von Mund-Nase-Bedeckungen und Hände-Desinfektionsmitteln.
  • Aufstellen einer Glasscheibe zwischen Psychotherapeut*in und Patient*in.
  • Bereitstellen von Hand-Creme am Waschbecken.
  • Nutzung des Telefons bei Gesprächen mit einer in der Einrichtung untergebrachten und positiv getesteten Patient*in. Dabei kann die Patient*in noch die Psychotherapeut*in ohne Schutzausrüstung imaginieren. Alternativ müsste Schutzausrüstung für die Psychotherapeut*innen vorgehalten werden, wenn psychotherapeutische Life-Sitzungen mit einer infizierten Patient*in vorgesehen sind. Schutzbekleidung beinhaltet das Geschult-Werden im Anlegen und Ablegen der Schutzkleidung.
  • Verwiesen sei auch auf eine allgemeine Publikation der KV Nordrhein (https://www.kvno.de/downloads/hygiene/hygieneleitfaden_pp.pdf).
Fachgerechte Psychotherapie – Sollte man derzeit auf die Durchführung von Gruppenpsychotherapien in Klinken verzichten?
Sowohl Psychotherapie im Einzelgespräch wie auch Gruppenpsychotherapie sind medizinisch notwendige Maßnahmen, sofern eine Indikation gestellt wurde. Für beide Formen der Psychotherapie sollten Hygieneregeln festgelegt und verschriftlicht werden.
Fachgerechte Psychotherapie – Wie wäre die psychotherapeutische Beziehung zu den Patient*innen derzeit zu gestalten?

Zwei Überlegungen sind dazu wichtig:

  • Die Pandemie beschäftigt derzeit alle Patient*innen. Das Thema sollte sowohl in psychotherapeutischen Gruppen wie auch in Einzelgesprächen auf der Tagesordnung stehen, dann an ihm kann man viel für das eigene Denken, Fühlen, Wahrnehmen und für eigene Bewältigungsstrategien lernen.
  • Auch infizierte Patient*innen in der Einrichtung werden psychotherapeutisch betreut. Der Psychotherapeutische Dienst ergreift Maßnahmen, um das sicherzustellen.

Ergänzend wird empfohlen, dass der Psychotherapeutische Dienst die von der Einrichtung vorgegebenen allgemeinen Hygienemaßnahmen vertritt und sie den Patient*innen immer wieder erklärt, wenn von deren Seite Unsicherheiten und Unverständnis bestehen.

Fachgerechte Psychotherapie für Kinder und Jugendliche – Die Einrichtungsleitung hat auch für Psychotherapeut*innen einen Mund-Nase-Bedeckung angeordnet. Kann so noch Psychotherapie für Kinder und Jugendliche durchgeführt werden?

Die Beziehungsgestaltung hat in der Psychotherapie mit Kindern und Jugendlichen eine sehr große Relevanz. Das wechselseitige Wahrnehmen der ganzen Person trägt hierzu wesentlich bei. Besonders wichtig ist es, die Mimik gegenseitig sehen zu können, ebenso wie das unmittelbare Kommunizieren „ohne verdeckendes Visier“.  

Die besondere Ausnahmesituation der Pandemie (Psychotherapie mit Mund-Nase-Bedeckung in einigen Einrichtungen) verlangt von den Psychotherapeut*innen, noch einmal mehr Aufmerksamkeit auf die Möglichkeiten der Beziehungsgestaltung zu legen.

Fachgerechte Psychotherapie für Erwachsene – Die Einrichtungsleitung hat auch für Psychotherapeut*innen einen Mund-Nase-Bedeckung angeordnet. Kann so noch Psychotherapie für Erwachsene durchgeführt werden?

Inzwischen gibt es eine nennenswerte Zahl von Kolleg*innen – insbesondere im stationären Bereich, die bei Psychotherapien mit Schutzmasken arbeiten. Die Leitung einer Einrichtung kann aufgrund der hessischen Verordnung weitergehende und strengere Infektionsschutzmaßnahmen anordnen, als es die Verordnung allgemein vorsieht.

Unter diesen einrichtungsbezogen strengeren Infektionsschutzmaßnahmen findet Psychotherapie fachgerecht statt. Die Psychotherapeut*innen sind hochkompetent, in der Pandemie-Notsituation Psychotherapie mit Einsatz von Schutzmasken fachgerecht durchzuführen. Es muss allerdings konstatiert werden, dass diese Bedingungen nicht ideal sind, weil ein wichtiger Info-Kanal (Mimik) nicht zur Verfügung steht und die Mund-Nase-Bedeckung für bestimmte Patient*innen (z.B. nach Operationen) durchaus angstbesetzt sein kann.

Arbeitsbedingungen – Der Arbeitgeber (MVZ) ändert in der Pandemie-bedingten Minderauslastung des MVZ die vergüteten Arbeitszeiten. Ist das zulässig?

In der Situation können unterschiedliche Normen in Beziehung treten und Wirksamkeit entfalten: der Arbeitsvertrag, mündliche Absprachen (zu denen man für die eigenen Unterlagen immer eine Aktennotiz erstellt haben sollte) und üblicherweise gehandhabte Regelungen in dem Unternehmen, allgemeine Regelungen des Arbeitsrechts, allgemeine Regelungen des Vertragsrechts.

Die Psychotherapeutenkammer kann in dieser Situation keine hinreichende rechtliche Bewertung vornehmen.

Allerdings gibt es zwei Stellen, die mit solchen Verträgen in MVZ vertraut sein dürften:

Alle arbeitsrechtlichen Informationen und auch juristische Vertretung können von Gewerkschaften bereitgestellt werden. Allerdings müsste sich eine Arbeitnehmer*in an die Gewerkschaft wenden und dort auch Mitglied sein.
Einige der großen Berufsverbände haben Musterverträge für die Anstellung im MVZ herausgegeben. Dort dürften dann auch verschiedene Varianten, die Verträge zu gestalten, bekannt sein.

Meldepflicht – Welche Meldepflichten bestehen für Psychotherapeut*innen in Kliniken?

Die Meldepflicht ist geregelt. Eine positive Testung einer Arbeitnehmer*in führt zur Arbeitsunfähigkeit. Das Gesundheitsamt erfährt davon. Möchte eine Arbeitnehmer*in im Falle einer eigenen Testung gesundheitliche Risiken für Kolleg*innen und Patient*innen minimieren, sollte er/sie direkt mit dem Gesundheitsamt in Kontakt treten, das dann mögliche Infektionswege nachzuvollziehen sucht.

Meldepflichten innerhalb der Einrichtung, insbesondere von Verdachtsfällen unter den eigenen Patient*innen, sollten von der Einrichtungsleitung in einer Verfahrensanweisung geregelt sein. In allen Zweifelsfragen ist die Einrichtungsleitung Ihr Ansprechpartner.

Vorgaben Arbeitgeber – Darf mein Arbeitgeber Vorgaben für die Art der Ausübung meiner Nebentätigkeit (halber Kassensitz) machen, z. B. Psychotherapie nur mit Video-Kontakt?

Wichtig wäre es zu wissen, was der für Sie gültige Tarifvertrag sagt: Müssen Nebentätigkeiten angezeigt oder genehmigt werden. „Angezeigt“ würde bedeuten, dass der Arbeitgeber nicht hineinreden kann. Die Klinik könnte das Thema auch in einer Betriebsvereinbarung „Nebentätigkeiten“ geregelt haben. Es wäre auch zu klären, wer Sie innerhalb der Klinik unterstützen kann: Wer wären in der Klinik Ihre „Verbündeten“: Betriebsrat? Ver.di? Personalabteilung?

Wenn Sie beide Tätigkeiten längerfristig aufrechterhalten wollen, wäre zu raten, einen „modus vivendi“ mit der Klinikleitung zu suchen, um zu verhindern, dass die Nebentätigkeit untersagt wird, und man gezwungen wäre, sich für die eine oder andere Tätigkeit zu entscheiden.

Auf der Website der Kammer finden Sie viele Informationen darüber, wie digitale Medien in der Praxis genutzt werden könnten.

Vorgaben Arbeitgeber – Kann mein Arbeitgeber mich zwingen, Psychotherapie unter Nutzung einer Mund-Nase-Bedeckung zu machen?
Ja: Die Leitung einer Einrichtung ist berechtigt, Hygieneregeln und Regeln zum Infektionsschutz für die Einrichtung festzulegen, die über die Regeln der Landesverordnung hinausgehen.
Vorgaben Arbeitgeber – Wie werden Hygieneregeln verbindlich gemacht?
Die Klinikleitung sollte in die Pflicht genommen werden, den Hygieneplan im Hinblick auf die Pandemie zu aktualisieren. Dazu gehören auch Vorgaben zur Hygiene während der Psychotherapie. Der Psychotherapeutische Dienst kann auch selbst ein Procedere entwickeln (z. B. veränderte Gruppengrößen, veränderter Abstand zwischen Personen). Wir empfehlen, diese besonderen Regelungen für den Pandemiefall in einer Verfahrensanweisung durch die Einrichtungsleitung freigeben zu lassen.

Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie

Welche Ideen für KJP gibt es für die Videotherapie mit Kindern und Jugendlichen?
Wer muss für die Videotherapie bei Kindern und Jugendlichen das Einverständnis erklären?

Für die Videotherapie brauchen Sie eine Einverständniserklärung des/r Sorgeberechtigten. Wir empfehlen, die Einverständniserklärung unbedingt schriftlich einzuholen. Bei gemeinsam ausgeübtem Sorgerecht müssen beide Elternteile mit der Videobehandlung einverstanden sein.

Sind Kinder bzw. Jugendliche einsichtsfähig und damit einwilligungsfähig (das ist meist ab ca. 14 Jahren), reicht das Einverständnis des Kindes/Jugendlichen aus.

Soll ich meine Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutische Praxis schließen?

Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten mit KV-Zulassung haben einen mit der Zulassung übernommenen Versorgungsauftrag zu erfüllen und dürfen Ihre Praxis daher nicht ohne Weiteres schließen. Ohne weitere Genehmigung  ist dies nur für 12 Wochen innerhalb von 12 Monaten zulässig, wobei bisherige Urlaubs- und Krankheitszeiten berücksichtigt werden müssen. Soll die Praxis länger ruhen, muss dies durch den Zulassungsausschuss genehmigt werden.

Bedeutsam ist in jedem Fall auch, mit welcher Altersgruppe und mit welchen Störungsbildern die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin arbeitet. Bitte beachten sie, dass sie suizidale Patienten, wenn sie sie nicht persönlich versorgen können an psychiatrische Institutsambulanzen bzw. die zuständige Versorgungsklinik verweisen.

Im Rahmen von Behandlungskontakten ist bei kleineren Kindern das Abstandhalten von 2m definitiv schwieriger. Aus unserer Sicht spielt dabei eine Rolle, wie ansprechbar das Kind ist und in welcher Therapiephase es sich befindet. Ebenso bei unruhigen und hyperaktiven Kindern können Sie nur aus Ihren Erfahrungen mit dem einzelnen Kind schöpfen, was möglich ist.

Wie können Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutinnen und –therapeuten die Videosprechstunde nutzen?

Wir empfehlen, die Möglichkeit der Videosprechstunde als Chance zu sehen und individuell mit dem Kind gemeinsam zu erproben, was gut funktioniert. Je nach dem könnte die Videosprechstunde auch in zwei Einheiten aufgeteilt werden oder es werden nur 25 Minuten Einheiten Videotherapie appliziert. Insbesondere bei kleineren Kindern empfehlen wir, kürzere Sequenzen durchzuführen. Positiv ist z.B. auch, dass die Videosprechstunde dazu genutzt werden die Bezugspersonen partiell einzubeziehen bzw. ein Bezugspersonengespräch zu führen.

Bei älteren Kindern sowie Jugendlichen ist ein längeres Gespräch möglich, indem auf die Aktualsituation des Kindes Bezug genommen werden kann. Derzeit ist durch den fehlendenden Schulbesuch und der veränderten Betreuungssituation eine Strukturierung des Tages für die Kinder und Jugendlichen nicht gegeben. In einigen Fällen tritt eine Verschiebung des Tag- Nacht-Rhythmus auf. Den Kindern und Jugendlichen fehlt ein Ansprechpartner, außerhalb der Familie. Der Einsatz von Spielmaterial ist begrenzt möglich, ich verweise aber auf den Einsatz von Handpuppen, die Möglichkeit Geschichten zu erzählen und andere kreatives Vorgehensweisen, die in diesem Zusammenhang einsetzbar sind. Da die älteren Kinder und Jugendlichen ja zumeist medienaffin sind, denken wir, dass die Videosprechstunde mit dieser Altersgruppe gut nutzbar sein könnte.

Die Durchführung von Spieltherapie im eigentlichen Sinn bedarf besonderer Kreativität über Video.

Empfiehlt die Psychotherapeutenkammer die Weiterbehandlung Kindern und Jugendlichen in der Praxis?
Falls Kinder und Jugendliche nicht stabil genug sind, ist es notwendig, zu diesen den Kontakt aufrechtzuerhalten. Das geht auch über Videosprechstunden, die aber je nach Alter des Kindes/Jugendlichen kürzer sein müssen. Derzeit dürfte es gerade bei Kindern und Jugendlichen schwierig sein, die Behandlung in der Praxis fortzuführen. Sollten die Kinder und Jugendlichen sehr instabil werden, ist eine Überweisung an eine kinderpsychiatrische Klinik notwendig.

Finanzen

Eine übersichtliche Zusammenstellung zur Beantragung von Kreditprogrammen, Zuschüssen und Kurzarbeitergeld erhalten Sie hier
Wie soll ich mich mit dem Ausfallhonorar verhalten, wenn Patienten ihre Angst äußern, in die Praxisräume zu kommen?

Rechtlich gelten hier keine Besonderheiten. Wenn Patenten sehr kurzfristig absagen und ein Ausfallhonorar vereinbart ist, können Sie dies grundsätzlich auch erheben. Wir empfehlen gleichwohl eine Prüfung im Einzelfall, ob dies angemessen erscheint.

Finanzen in der Corona-Krise: Hilfe für Praxen – wo?

Informationen zu Liquiditätshilfen (über die KfW) finden sich hier:

https://www.kfw.de/KfW-Konzern/Newsroom/Aktuelles/KfW-Corona-Hilfe-Unternehmen.html

Hier handelt es sich um Kreditprogramme – nicht um Zuschüsse.

Bei Mitgliedern mit KV-Zulassung kann bei absehbaren Engpässen mit der KV Hessen Kontakt aufgenommen werden, um die Vorauszahlungen anpassen zu lassen.

Sollte die Liquidität gefährdet sein, kann über das Finanzamt auch die Steuervorauszahlung angepasst werden. Hierzu ist Kontakt mit dem jeweiligen Amt aufzunehmen. Gegebenenfalls kann eine Steuerstundung beantragt werden, wenn die Zahlung eine erhebliche Härte darstellt.

Das Land Hessen informiert über ein Kreditprogramm unter: https://wirtschaft.hessen.de/wirtschaft/corona-hilfen

Weitere Staatshilfen in Form von Zuschüssen werden derzeit beraten.

Hinweis zu den FAQ:

Bitte beachten Sie, dass aufgrund der dynamischen Entwicklung – diese Antworten stets unter Vorbehalt neuer Erkenntnisse stehen.

Sobald wir neuere bzw. weitere Informationen erhalten, werden wir Sie auf diesen Internetseiten informieren.

Bleiben Sie gesund!

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