Was ist Psychotherapie?

Sie möchten mehr über die Psychotherapie im Allgemeinen wissen, zusätzliche Informationen zu den Methoden und Verfahren bekommen? Wir haben Ihnen kompakt einige wichtige Fakten zusammengestellt. Sie erfahren hier auch, wie gesetzliche und private Krankenversicherung mit dem Thema umgehen. Wir stellen dar, welche Kosten übernommen werden und welche Voraussetzungen dafür gegebenenfalls zu erfüllen sind.

„Psychotherapie“ kommt aus dem Altgriechischen und setzt sich zusammen aus den Wörtern „Psyche“ – Seele und „Therapeia“ – Behandlung. Die Behandlung setzt am Denken, Verhalten und Erleben des kranken Menschen an. Entscheidend ist, dass eine psychische Störung mit Krankheitswert vorliegt. Die Indikation für die Psychotherapie ist umfassender als vielfach angenommen. Dazu gehören einerseits psychische Erkrankungen und Störungen wie etwa Ängste, Zwänge, Phobien, Essstörungen und Depressionen, psychiatrische Erkrankungen wie Psychosen, Demenzen und Süchte sowie psychosomatische Krankheiten, bei denen körperliche Beschwerden durch psychische Faktoren hervorgerufen werden. Schließlich bedürfen auch chronisch-physische Erkrankungen einer psychotherapeutischen Mitbehandlung.

Psychotherapeutische Ansätze und Richtungen sind vielfältig und auch vielschichtig. Es ist im Einzelfall im Gespräch mit dem Psychotherapeuten oder der Psychotherapeutin zu entscheiden, welche Methode am meisten Erfolg verspricht. Im Laufe der Zeit hat sich das Verhältnis von Therapeut*in und Patient*in gewandelt. Das traditionelle Bild – der aktive Therapeut macht etwas am passiven Patienten – ist überholt, heute versuchen beide eher, zusammen zu arbeiten, der leidende Mensch hat eine deutlich engagiertere Rolle.

Für Psychotherapeut*innen gelten spezifische fachliche und ethische Regeln. Sie unterliegen einer strengen Schweigepflicht, sind verpflichtet, Indikationen abzuklären und ihre Arbeit mittels Supervision zu reflektieren. Durch die Approbation der beiden Berufe „Psychologische Psychotherapeuten“ sowie „Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten“ ist die Gewähr gegeben, dass alle in der Psychotherapeutenkammer des Landes Hessen organisierten Mitglieder die fachlichen Standards erfüllen.

Psychotherapie als Versicherungsleistung


Die gesetzliche Krankenversicherung

Sind Sie gesetzlich krankenversichert, übernimmt Ihre Kasse grundsätzlich vollständig die Kosten für die Psychotherapie. Sie müssen also nichts zuzahlen. Voraussetzung ist, dass der Psychotherapeut oder die Psychotherapeutin feststellt, dass Sie psychisch krank sind. Erstattungsfähig sind die Kosten im Rahmen der so genannten „Richtlinienpsychotherapie“. Darunter fallen die analytische, die tiefenpsychologisch fundierte, Verhaltenstherapie sowie die systemische Therapie. Folgen müssen mindestens zwei Probesitzungen. Ihnen wird Gelegenheit gegeben, gemeinsam mit dem Therapeuten oder der Therapeutin zu schauen, ob in diesem sensiblen Bereich ein vertrauensvoller Umgang möglich ist.

Nach den probatorischen Sitzungen müssen Sie die Therapie bei Ihrer Kasse beantragen. In der Regel unterstützen Psychotherapeut*innen Sie bei der Antragstellung. Ihre Therapie kann später verlängert werden.

Lehnt die Krankenkasse Ihren Antrag ab, können Sie dagegen Widerspruch einlegen. Im Falle der erneuten Ablehnung können Sie klagen.

Die private Krankenversicherung

Hier gilt: Sie müssen in Ihren Vertrag schauen, um zu sehen, ob eine Psychotherapie von Ihrer Krankenversicherung gedeckt ist. Bis auf wenige Ausnahmen sehen die meisten privaten Krankenversicherungen zwar eine Kostenübernahme für psychotherapeutische Leistungen vor. Allerdings gibt es hier erhebliche Unterschiede sowohl bei der Beantragung der Leistung als auch bei Größe der genehmigten Stundenkontingente.

Beamte und Soldaten

Sind Sie Beamter oder Beamtin, müssen Sie einen Antrag auf Übernahme der Kosten stellen. Laut Bundespsychotherapeutenkammer übernimmt Ihre Beihilfe rund die Hälfte der Kosten. Sind Sie Soldat*in bei der Bundeswehr, müssen Sie sich vom Truppenarzt überweisen lassen. Die Kosten übernimmt in diesem Fall die Bundeswehr.

Keine Krankenversicherung?

Verfügen Sie nicht über eine Krankenversicherung und befinden sich finanziell in einer Notlage, müssen Sie die Übernahme der Kosten für die Psychotherapie bei der für Sie zuständigen Behörde für Sozialhilfe beantragen.

Was meint "Kostenerstattung"?

Es kann unter Umständen möglich sein, dass in Ihrer Region zu wenige Psychotherapeut*innen mit Kassenzulassung ansässig sind und Sie daher unter Umständen lange auf einen Therapieplatz warten müssten. Im Rahmen des Kostenerstattungsverfahrens können Sie die Behandlung in einer psychotherapeutischen Privatpraxis durchführen und die Erstattung der Kosten bei Ihrer Krankenkasse beantragen. Wichtig ist aber, dass auch über die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung kein „regulärer“ Termin in angemessener Zeit zustande gekommen ist.

Psychotherapieverfahren und Methoden (gesetzliche und private Krankenkassen)

Patient on settee during psychoanalysis

Analytische Psychotherapie

Sie ist eine Tiefenpsychologie vom unbewussten Seelenleben und der seelischen und psychosexuellen Entwicklung des Menschen. Seelenleben und die seelische Entwicklung werden in der Psychoanalyse und verwandten Schulen als von inneren Konflikten und widerstrebenden Spannungen beeinflusst angesehen. Sie haben jeweils eine altersspezifische Ausprägung erfahren und der wesentliche Teil spielt sich im Unbewussten ab. Bei der Verarbeitung und Bewältigung der Konflikte oder Entwicklungsaufgaben können Störungen auftreten. Seelische Konflikte oder psychische Entwicklungsdefizite liegen den psychischen Erkrankungen zugrunde.
Beautiful woman suffers social anxiety attack problem

Systemische Therapie

Psychische Probleme werden aus einem systemtheoretischen Blickwinkel betrachtet. Zur Anwendung kommen ursprünglich in den Naturwissenschaften entstandene und in die Sozialwissenschaften übertragenen Theorien über Systeme – die Theorie nichtlinearer dynamischer Systeme, Synergetik und soziologische Systemtheorien. Mensch und Umgebung, seine sozialen Beziehungen sind untrennbar miteinander verbunden. Störungen entstehen, wenn die Verhaltensalternativen zu sehr eingeengt sind, wenn sich bestimmte Muster ständig wiederholen oder eine Person eigenen oder fremden Erwartungen nicht gerecht werden kann.
Sad teen boy concrete

Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie

Damit die psychotherapeutische Bearbeitung der unbewussten innerseelischen Konflikte und damit Heilung oder Besserung möglich wird, bedarf es einer verlässlichen, schützenden und belastbaren therapeutischen Beziehung. Leidenszustände sind immer ein Ergebnis einer durch frühere lebensgeschichtliche Erfahrungen geprägten innerseelischen Konfliktlage, die sich in einer gestörten Beziehung eines Menschen zu sich selbst und zu seinen Mitmenschen ausdrückt. Jegliches Verhalten wird nicht nur von bewusst wahrgenommenen Absichten und Überzeugungen, sondern auch von unseren unbewussten Gedanken und Gefühlen bestimmt und gesteuert.
Never knows what is behind the horizon. Woman hiking on road. Getting out of your comfort zone concept

Verhaltenstherapie

Kennzeichen der Verhaltenstherapie ist, dass Therapeut und Patient als Partner in einem Behandlungsteam sowohl bei Diagnostik, Therapieplanung wie Therapiedurchführung eng zusammenarbeiten. Sie definieren vorab klare Behandlungsziele und achten darauf, dass therapeutische Angebote und Übungen vom Patienten akzeptiert werden beziehungsweise im Therapieverlauf so verändert werden, dass der Patient sie gut annehmen und motiviert durchführen kann. Während des Therapieverlaufes überprüfen Patient und Therapeut, ob die Therapie auch die gewünschten Erfolge hat. Verhaltenstherapie kommt bei den meisten Störungen in Frage.
Vertigo illness concept. Man hands on his head felling headache

Klinische Neuropsychologie

Die Neuropsychologie beschäftigt sich mit den Zusammenhängen zwischen Gehirn und psychischen Funktionen oder dem Verhalten. Dazu gehören etwa das Denkvermögen (die Intelligenz), die Aufmerksamkeit, das Gedächtnis, das Sprachvermögen, motorische Fertigkeiten. Die Therapie wird bei allen krankheitsbedingten Funktionsstörungen des Gehirns einschließlich symptomatischer psychischer Störungen angewandt. Gestörte psychische Funktionen können die Folge von Schädelhirnverletzungen oder Erkrankungen des zentralen Nervensystems sein - oder von Erkrankungen, die Auswirkungen auf die Funktionsfähigkeit des Gehirns haben.
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