Search
Generic filters

Unterstützung für Geflüchtete aus der Ukraine

Täglich erreichen uns die schrecklichen Nachrichten und Bilder vom Krieg in der Ukraine. Immer mehr Menschen, vor allem Frauen, Kinder und alte Menschen, müssen Ihre Heimat verlassen und sind auf der Flucht. Die Zahlen der zu uns geflüchteten Menschen steigen kontinuierlich an. Viele Kolleg*innen fragen nach Hilfs- und Unterstützungsmöglichkeiten, die sie jetzt leisten können. Auf dieser Seite stellen wir Ihnen Informationen und Unterstützungsmöglichkeiten der Psychotherapeuten Kammer Hessen und darüber Hinaus eine Sammlung an weiterführenden und hilfreichen Links zusammen.

Wir sind überwältigt - Danke für Ihre Bereitschaft!

Seit Wochen wird die Heimat der Ukrainer*innen zerstört, Menschen getötet, Familien auseinandergerissen. Millionen von Menschen befinden sich auf der Flucht. Stand vergangener Woche wurden bislang laut Hessischem Ministerium für Soziales und Integration (HMSI) offiziell 7.200 Geflüchtete aus der Ukraine in Hessen registriert – Dunkelziffer unbekannt. Seitdem kommen aktuell etwa 500-600 Menschen pro Tag hinzu.

Nach Beginn des Angriffskriegs der russischen Regierung wurde schnell klar, dass dieser Gewaltakt eine Fluchtwelle auslösen würde und ebenso schnell waren wir uns als Kammer einig, dass wir für die Geflüchteten, die in Hessen ankommen, aktiv werden wollen. Deshalb sahen wir uns als Vertretung unseres Berufsstandes dazu in der Pflicht, unsere Profession zu nutzen und unmittelbar ein Unterstützungsangebot ins Leben zu rufen. Bereits Anfang März haben wir unsere Mitglieder zur ehrenamtlichen Notfallversorgung aufgerufen - und die Rückmeldungen waren überwältigend!

Über 400 Mitglieder
haben sich seitdem zum Ehrenamt angemeldet!

Über 400 hessische Psychotherapeut*innen, die sich dazu bereit erklärt haben, Geflüchteten aus der Ukraine ehrnamtlich psychosoziale Unterstützung zu leisten.

Rund 500 Teilnehmende bei
Fortbildungsveranstaltung zur Psychotherapeutische Notfallversorgung!

Seit unserem Aufruf erreichten uns einige Rückfragen hinsichtlich der Rahmenbedingung und der inhaltlichen Umsetzung des ehrenamtlichen Engagements. Daher haben wir kurzfristig eine Fortbildungsveranstaltung unter dem Titel „Psychotherapeutische Notfallversorgung für Kriegsgeflüchtete“ mit rund 500 Teilnehmenden durchgeführt und Infos zu Inhalt, Gesprächsführung sowie rechtlichen Rahmenbedingungen und ukrainischer Kultur besprochen.

Meldung zur ehrenamtlichen psychotherapeutischen Notfallversorgung

Meldung zur ehrenamtlichen psychotherapeutischen Notfallversorgung für Geflüchtete aus der Ukraine in Hessen

Vor dem Hintergrund der aktuellen Kriegsgeschehnisse in der Ukraine und der steigenden Zahl Geflüchteter hat sich die Psychotherapeutenkammer an den Hessischen Landkreistag und den Hessischen Städtetag gewandt und gemeinsam ein kurzfristiges Unterstützungsangebot von Psychotherapeut*innen in Hessen für die Geflüchteten entwickelt. Dies beinhaltet ein ehrenamtliches Beratungsangebot zur psychosozialen Notfallversorgung vor Ort. Die Beratung kann und soll keine Psychotherapie ersetzen, aber sie kann zur Stabilisierung und Krisenintervention in der aktuellen Situation beitragen.

Zum Online-Formular

Wie kann man sich beteiligen?
Die Psychotherapeutenkammer Hessen sammelt die Adressen aller Kolleg*innen, die sich beteiligen möchten, und leitet sie an den Hessischen Städtetag und den Hessischen Landkreistag weiter. Die jeweilige Kommune oder Gemeinde wird dann mit den Kolleg*innen vor Ort in Kontakt treten, Räumlichkeiten für das Gespräch organisieren und ggf. auch für Sprachmittler*innen sorgen.

Wir werden uns aber auch einsetzen, dass für die längerfristige psychotherapeutische Behandlung der Geflüchteten, Möglichkeiten im Rahmen der Regelversorgung, z.B. Ermächtigungen geschaffen werden, und eine Vergütung über die Krankenkassen erfolgen muss.

Wir würden uns sehr freuen, wenn sich möglichst viele Kolleg*innen mit uns gemeinsam engagieren: Niedergelassenen PP und KJP, Privat- und KV-Praxen sowie die Angestellten und die PiAs. Jede Kollegin und jeder Kollege ist herzlich willkommen und trägt dazu bei, dass die Arbeitsbelastung für die Einzelnen im Rahmen bleibt.

Vielen herzlichen Dank für Ihre Unterstützung!

Wie funktioniert das?
Sie füllen unter dem o.g. Link ein Formular aus, mit dem die Psychotherapeutenkammer eine Gesamtliste aller Freiwilligen erstellt und diese dem Hessischen Landkreistag sowie dem hessischen Städtetag übermittelt. Die zuständige Stelle (Landräte, Gesundheitsämter sowie Asylbehörden) des jeweiligen Landkreises oder der Gemeinde werden dann zur konkreten Umsetzung auf Sie zukommen. Bitte melden Sie sich so schnell wie möglich bei uns!

Weitere Informationen finden Sie in unserem F&A zur ehrenamtlichen psychotherapeutischen Notfallversorgung von Kriegsgeflüchteten.

Fortbildung für Psychotherapeut*innen

Fortbildungsverantsaltung

Wir sind überwältigt von dem großen Interesse unserer Mitglieder! Am 23. März haben knapp 500 Teilnehmende unsere Fortbildungsveranstaltung online verfolgt. Im Rahmen dessen wurden inhaltliche, rechtliche sowie kulturelle Informationen zur psychotherapeutischen Notfallversorgung von Kriegsgeflüchteten vermittelt. Darüber hinaus haben uns zahlreiche Fragen im Laufe der Veranstaltung erreicht, die aus zeitlichen Gründen leider nicht alle beantwortet werden konnten. Hier finden Sie das F&A zur Veranstaltung. Aufgrund des starken Informationsbedürfnisses planen wir ausßerdem bereits weitere Veranstaltungen. Mehr Informationen dazu folgen.

Fortbildungsmaterial zur psychotherapeutischen Notfallversorgung

Psychotherapeutische Behandlung von Erwachsenen mit akuten Belastungsstörungen - Prof. Dr. Christoph Kröger, Universität Hildesheim

Broschüren zum Thema Trauma bei Erwachesenen sowie Kindern und Jugendlichen - Zentrum für Trauma- und Konfliktmanagement Köln

Broschüren zum Thema Trauma der Unfallkasse Berlin: Trauma - was tun? Für Erwachsene und für Menschen, die mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen zu tun haben. Auf Ukrainisch und Russisch.
Ukrainisch (für Erwachsene)
Ukrainisch (für Menschen, die mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen zu tun haben)
Russisch (für Erwachsene)
Russisch (für Menschen, die mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen zu tun haben)

 

Kinder und Krieg

Wie erkläre ich Kindern den Krieg?

Seit dem Einmarsch der russischen Truppen in der Ukraine kursiert eine endlose Zahl an Bildern, Videos, Informationen und Meinungen durch die Nachrichten und soziale Medien. Unweigerlich gelangen diese auch unter die Augen von Kindern und Jugendlichen. Und dann gibt es die Kinder, die schreckliche Zerstörung und Tod vor Ihren eigenen Augen gesehen haben, ihre Väter verabschieden mussten, die Flucht erlebt haben. Eine zentrale Frage dabei: Wie erkläre ich meinen Kindern den Krieg in der Ukraine? Wir wollen Ihnen hier allgemeine Antworten auf diese Frage sowie Tipps für altersgerechte Information geben und darüber hinaus den Elternratgeber für Geflüchtete zur Verfügung stellen, der speziell auf die Unterstützung von geflüchteten Kindern abzielt.

Altersgerecht / Fragen stellen / Ernst nehmen / Ruhe bewahren

Wichtig ist vor allem, dass Eltern die Inhalte und auch die Wortwahl an das Alter des Kindes anpassen. Je jünger ein Kind, um so einfacher und anschaulicher sollte die Information ausfallen. Ältere Kinder verstehen schon kompliziertere Zusammenhänge. Speziell bei Jugendlichen, die freien Zugang zu sozialen Medien haben, spielt das Thema „Fake News“ eine wichtige Rolle. Auch dafür sollten Eltern Ihre Kinder in diesem Kontext dringend sensibilisieren und darüber aufklären, dass es ein Interesse geben kann, falsche Nachrichten zu verbreiten.

Für alle Altersgruppen gilt: Keine Vorträge halten, sondern sich daran orientieren, was die Kinder wirklich wissen wollen. Es ist hilfreich, das Kind die Fragen stellen zu lassen. Dringend vermeiden sollten Erwachsene jegliche Form von Panikmache. Eltern sollten das aufgreifen, was Kinder wissen wollen und darauf Antworten geben. Dadurch signalisieren sie, dass sie das Kind sowie seine Gedanken und Sorgen wahrnehmen und vor auch ernst nehmen. Das kann bereits eine tröstende Wirkung auf Kinder haben.

Und was ist mit den Eltern? Sollten sie ihre Gefühle und Sorgen vor den Kindern verbergen? Kinder kennen ihre Eltern meist sehr gut und sie können an kleinen Zeichen erkennen, wie es ihnen geht. Deshalb ist es in diesem Zusammenhang sinnvoll offen die eigenen Gefühle zu benennen ohne zu dramatisieren. Sinnvoll ist es, zu erklären, wie und warum solche Gefühle da sind und wie man mit ihnen umgehen kann.

Solche Gespräche sollten in einer ruhigen Atmosphäre und ohne Zeitdruck geplant werden. Dazu bieten sich verschiedene Situationen im Familienalltag an, wie zum Beispiel nach der Schule, wenn die Kinder nach Hause kommen, das gemeinsame Abendessen, beim entspannten Frühstück am Wochenende. Sollten die Kinder das Thema nicht von selbst ansprechen, können Eltern das Gespräch von sich aus initiieren, indem sie von ihren Erfahrungen erzählen, was sie erlebt oder gehört haben und beim Kind nachfragen, ob es bereits in der Schule davon gehört hat. Sollte doch eine spontane Situation „zwischen Tür und Angel“ entstehen, in der das Kinder eine Frage stellt, ist es auch dann sinnvoll eine kurze Antwort zu geben.

Empfehlenswert ist es auch, altersgerechte und seriöse Medieninhalte zur Unterstützung heranzuziehen. Diese können zusammen angeschaut und besprochen werden. Hier haben wir Ihnen eine Auswahl zusammgetragen. Besonders für jüngere Kinder sind die Bilderbücher geeignet, die sich allgemein mit den Themen Konflikte, Krieg und Flucht auseinandersetzen. Für älter Kinder einige Links zum Thema Ukrainekrieg.

Buchtipps
Irgendein Berg - Peter Hammer Verlag (Zur Entstehung von Konflikten)
Der Anfang - Bohem  Verlag (Nach dem Krieg)
Wasims Weste - Kids in Balance (Flucht)
Rosalie: Als mein Vtaer im Krieg war - Gerstenberg Verlag (Verlust des Vaters)
Weltkugel 3: Wie ist es, wenn es Krieg gibt?: Alles über Konflikte | Große Fragen kindgerecht erklärt

Onlineangebote
ZDF Logo! Erklärung der Situation https://www.zdf.de/kinder/logo/ukraine-putin-einfach-erklaert-100.html
ZDF Logo! Nachrichten zum Angriff https://www.kika.de/sendungen/special/k/kika-aktuell/kika-aktuell-angriff-auf-die-ukraine-eure-fragen-100.html
ZDF Logo! Tipps gegen Angst https://www.zdf.de/kinder/logo/wenn-euch-nachrichten-angst-machen--100.html
WDR „neuneinhalb“ Kindernachrichten https://kinder.wdr.de/tv/neuneinhalb/nachrichten/index.html
Online-Forum „Frieden Fragen“ https://www.frieden-fragen.de/index.php

Geflüchtete Kinder

Sie sind aus Ihrer Heimat geflüchtet, vielleicht weil sie zerstört war oder dort Krieg geherrscht hat. Sie haben Ihr Zuhause verlassen, in dem sie mit Ihrer Familie gelebt hatten. Sie sind oft auf sehr beschwerlichen Wegen nach Deutschland gekommen. Sie sind geflohen, weil sie möglicherweise Ihr Leben und das Ihrer Kinder bedroht sahen. Auf der Flucht war vieles sehr schwierig. Wer solche Unsicherheit erlebt, trägt manchmal noch lange die Erinnerungen daran mit sich herum. Vor allem die Bilder von bedrohlichen Ereignissen sind nicht einfach zu vergessen. Die Angst, die damit verbunden war, steckt noch im Körper und in der Seele. Das ist normal. Das geht allen Menschen so. Aber manchmal leben die Erinnerungen weiter und weiter. Die Erinnerungen an ein fürchterliches Ereignis brennen manchmal wie eine körperliche Wunde. Diese Erinnerungen sind dann anders als die Erinnerungen, die man bis dahin kennt. Wenn man sich an bedrohliche Ereignisse erinnert, ist es so, als erlebe man die Bedrohung wieder. Es ist gar nicht so, als sei das Erlebte vergangen. Es ist so, als kehrte das Erlebte mit den Erinnerungen zurück. Die Erinnerungen werden nicht immer blasser, sondern bleiben stark und lebendig. Solche Erinnerungen machen es schwierig, wieder ein ganz normales Leben zu führen.

Kindern kann es ähnlich ergehen. Vielleicht sind Veränderungen bemerkbar. Vielleicht ist das Kind sehr schreckhaft geworden. Vielleicht schläft es schlecht und wacht aus bösen Träumen auf. Kinder und Jugendliche sind besonders empfindlich und können durch bedrohliche Erlebnisse stark erschüttert werden. Sie reagieren sehr unterschiedlich und jeweils auf eigene Weise auf Ereignisse, die zu viel für sie waren. Manche ziehen sich zurück. Sie sind niedergeschlagen und traurig. Andere sind sehr unruhig oder viel aktiver als früher. Große Kinder benehmen sich plötzlich wie kleine Kinder. Manchmal machen sie nachts wieder ins Bett. Andere Kinder wollen alles bestimmen und unter ihre Kontrolle bringen. Ältere Kinder und Jugendliche sagen manchmal, dass sie nicht mehr an die Zukunft glauben. Sie sagen, dass sie nicht erwachsen oder alt werden.

Elternratgeber Geflüchtete - verfügbar auf Deutsch, Englisch, Ukrainisch und Russisch

off